Auf einen Blick
- Substrat-Ebenheit ≤ 2 mm/m für Großformate. Alles darüber muss vor Verlegung gespachtelt werden.
- Buttering & Floating sind Pflicht. Hohllagen unter 5 % nur mit beidseitigem Klebebett und Vibrationssauger.
- Fugen: ≥ 3 mm bei rektifizierten, ≥ 5 mm bei nicht-rektifizierten Fliesen. Schmaler erzeugt Wellenbild durch Fertigungstoleranz.
- Plattenversatz max. 1/3. Halbverband bei 120 × 240 garantiert sichtbare Höhenversätze an den Plattenmitten.
Großformatige Feinsteinzeugfliesen (typischerweise 60 × 120, 120 × 120, 120 × 240, 100 × 300) sind Standard im modernen Bad. Sie sehen ruhig aus, reduzieren Fugen und lassen sich gut reinigen. Sie sind aber auch technisch anspruchsvoller als jede andere Fliesenformatklasse.
1. Untergrund: Ebenheit ≤ 2 mm auf 1 m
Die DIN 18157 verlangt für Großformate eine Substratebenheit besser als die normale Bodenfliesentoleranz. Wir messen mit 2 m Richtscheit und Keilmessgerät. Alles über 2 mm Senke wird gespachtelt. Ohne diesen Schritt liegen Fliesen unter Last hohl, und das Klickgeräusch beim Begehen ist unwiderruflich.
2. Buttering / Floating
Bei Großformaten immer beidseitig kleben: Floating-Schicht auf den Untergrund, Buttering-Schicht auf die Fliesenrückseite. Der Hohllagen-Anteil unter der fertigen Fliese muss < 5 % sein. Bei reinem Floating liegen wir oft bei 30 %.
Kelle: 8–10 mm Trapezzahnung. Bei 120 × 240 manchmal 12 mm. Der Kleber muss frisch verkämmt sein, antrocknende Kleberrillen halten nicht.
Wer bei einer 120 × 240 Fliese Buttering spart, verwandelt das Bad in einen Resonanzkörper.
3. Vibrationssauger
Großformate werden mit Vakuum-Saugheber eingelegt. Anschließend nutzen wir einen Vibrationssauger oder einen Anlegehammer mit Polster, um die Fliese in das Klebebett zu drücken, bis der Kleber an allen Rändern sauber austritt. Diese Routine reduziert Hohllagen unter 3 %.
4. Fugenbreite ist Technik, nicht Design
Großformatige Fliesen sind nie 100 % planeben. Schon Fertigungstoleranzen erfordern Fugenbreite ≥ 3 mm bei rektifizierten Fliesen, ≥ 5 mm bei nicht-rektifizierten. Eine 1-mm-Fuge sieht im Foto schön aus, auf der echten Wand entsteht ein Wellenbild durch die geringen Höhendifferenzen.
5. Plattenversatz max. 1/3
Großformate verlegen wir mit höchstens einem Drittel Versatz, besser ohne Versatz. Halbverband bei 120 × 240 führt fast garantiert zu Hochpunkten an den Plattenmitten. Schon wenige Millimeter Durchbiegung der Fliese ergeben am Stoß einen sichtbaren Höhenversatz.
6. Abdichtung Bad nach DIN 18534
Vor jeder Großformatfliese im Bad: Verbundabdichtung nach DIN 18534. Wir setzen auf Flüssigabdichtungen (PCI Lastogum, Schönox HA), in zwei Schichten, mit Anschlussmanschetten an Boden, Wandecke und Durchführungen. Beweisbar mit Fotodokumentation vor Fliesenverlegung.
7. Schnitt & Bohrung
Großformate werden nicht auf der Baustelle gebrochen, sondern mit Wasserstrahl oder Diamanttrennsäge geschnitten. Bohrungen für Mischarmaturen, Steckdosen, Auslässe immer mit Diamant-Hohlbohrer und Wasserspülung; Standardbohrkronen reißen den Glasurkragen ab.
Unsere Großformat-Checkliste vor Auftrag
- Substratprüfung mit Fotodokumentation der Ebenheitsmessung.
- Klebersystem inkl. Hersteller-Freigabe für gewähltes Format.
- Schnittplan mit Plattenanordnung, Versatz, Restplatten < 30 cm vermeiden.
- Fugenbild mit Bauherr abgestimmt und im Aufmaßprotokoll dokumentiert.
- Abdichtungsnachweis nach DIN 18534 mit Fotodokumentation.
- Werkzeug auf Format ausgelegt: Saugheber, Vibrationssauger, Trennsäge mit Wasserspülung.
Großformate sind keine Standardarbeit. Hier zeigt sich, ob ein Sub das Handwerk wirklich beherrscht oder nur einen Verlegeservice betreibt.
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